03.06. | 2015

Börse in Mailand ist die neue Heimat der europäischen Bullen

Ein erster Blick auf die durchaus erfreulichen Jahresbilanzen großer europäischer Aktienmärkte offenbart derzeit einen Außreißer nach oben. Und den haben nicht alle erwartet – es handelt sich um den italienischen FTSE Mib, der von den Schockwellen aus Griechenland offenbar kaum ausgebremst wird.

Zurzeit sind die Kosten zur Absicherung gegen Kursverluste an der Börse in Mailand im Vergleich zum breiten Markt die niedrigsten seit vier Jahren, und Experten werten das als Signal: Die unter den großen Länderindizes in Westeuropa derzeit einzigartige Rally von mehr als 24 Prozent seit Beginn des Jahres 2015 ist noch nicht vorüber. Der italienische FTSE Mib hat sich fast doppelt so stark entwickelt wie der pan-europäische EuroStoxx 50 und ist unter den entwickelten Märkten einer der stärksten Gewinner.

EZB und Renzi unterstützen Erholung des Aktienmarktes Die geldpolitischen Stimulierungsbemühungen der Europäischen Zentralbank und die Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Matteo Renzi unterstützen die Erholung eines Aktienmarktes, der im Zuge der Finanzkrise mehr als 70 Prozent seines Wertes verloren hatte. Italien bleibt das am zweithöchsten verschuldete Land in Europa, aber die Sorge über Ansteckungseffekte aus der Dauerkrise im nahen Griechenland hat offenbar erheblich abgenommen.

„In der so genannten Euro-Peripherie ist Italien eines der stärksten Länder“, begründete Vermögensverwalter Lorne Baring von B Capital in Genf die Entwicklung. Italien sei einer der stärksten Profiteure der quantitativen Lockerung der EZB. Daten, die auf eine Erholung in Europa deuten, werden auch Italien weiter voranbringen, wie er sagte.

Renzi hat seit seinem Amtsantritt im Februar 2014 eine Reihe von Reformen eingeleitet, die als wachstumsfreundlich gelten, darunter am Arbeitsmarkt. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Quartal unerwartet stark und deutet ein Ende der bislang längsten Rezession an. Zuletzt hatten Regionalwahlen auf eine wachsende Unterstützung für die Regierung gedeutet.

Aktien mit 17,6-fachen der Gewinnprognosen gehandelt Skeptiker bemängeln das mittlerweile erhöhte Bewertungsniveau italienischer Aktien aus der ersten Reihe. Zugleich aber bleibe die wirtschaftliche Erholung brüchig, sagte Christian Zogg von LLB Asset Management in Liechtenstein. Derzeit werden die Aktien im FTSE Mib mit dem 17,6-fachen der Gewinnprognosen gehandelt, das liegt 15 Prozent über dem Bewertungsniveau im EuroStoxx 50.

„Das BIP-Wachstum ist weiterhin gering und die Gefahr eines Rückfalls in die Rezession nicht gebannt“, sagte Zogg, „ich kann eine ähnlich starke Entwickung in der Zukunft nur schwerlich erkennen“. Die Haltung wird allerdings nicht geteilt von jenen Anlegern, die alleine im Mai 42 Millionen US-Dollar in den größten ETF-Anlagefonds für den Mib gesteckt hatten. Es war der vierte Monat mit Zuflüssen für den börsennotierten Fonds innerhalb von fünf Monaten.

Quelle: FONDSprofessionell