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05.06. | 2014

Deflationsrisiko: EZB verkündet historische Maßnahmen

Mit der Senkung der Leitzinsen will EZB-Präsident Mario Draghi der Gefahr einer Deflation begegnen.

EZB-Präsident Mario Draghi hat am Donnerstag ein beispielloses Maßnahmenpaket angekündigt, das dafür sorgen soll, dass die rekordniedrigen Zinsen die von einer Deflation bedrohte Wirtschaft erreichen.

Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag ihren Krisenkurs verschärft und ihre Leitzinsen gesenkt. Der Hauptrefinanzierungssatz wurde von 0,25 auf 0,15 Prozent, der Spitzenrefinanzierungssatz von 0,75 auf 0,4 Prozent gesenkt. Darüber hinaus haben die Währungshüter wie erwartet den Einlagensatz von null auf minus 0,1 Prozent reduziert und damit für ein Novum gesorgt. Erstmals müssen Banken eine Art Strafzins dafür zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB parken wollen.

Maßnahmen sollen Kreditvergabe unterstützen
Eine Verschlechterung der Konjunkturperspektiven und eine längere Phase niedriger Inflation hat die EZB zu den Leitzinssenkungen bewogen, erklärte Präsident Mario Draghi im Anschluss an die Ratssitzung. Damit aber nicht genug: „Wir haben eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, um eine zusätzliche geldpolitische Akkommodierung zu bieten und die Kreditvergabe an die Realwirtschaft zu unterstützen“, so Draghi.

Das Maßnahmenpaket umfasst zum einen weitere längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (longer-term refinancing operations, LTRO) mit einem anfänglichen Volumen von 400 Milliarden Euro. Außerdem werde die EZB die sogenannte Sterilisierung ihrer zu Beginn der Euro-Krise getätigten Bondkäufe aussetzen, um die Liquidität an den Geldmärkten zu steigern. Und: Es wird ein Aufkaufprogramm von transparenten und einfachen ABS (asset-backed securities) vorbereitet.

„Draghi hat heute aus allen Rohren gefeuert“
Deutsche Bundesanleihen haben nach dem Zinsentscheid nachgegeben, während Peripherieanleihen zulegten. „Draghi hat heute aus allen Rohren gefeuert“, sagte Owen Callan, Analyst bei der Danske Bank in Dublin. „Man sollte es nicht als Bazooka betrachten. Es ist eher eine Flotte von Killer-Drohnen, die die Deflation von allen Seiten ins Visier nehmen sollen. Es ist eine Art der geldpolitischen Lockerung ohne eine Rally der risikolosen Wertpapiere. Deshalb verringern sich die Spreads zur Peripherie, aber es gibt einen Ausverkauf von Bunds.“ (bloomberg/dw)