29.05. | 2015

Henderson: Kein Ende der europäischen Aktienrallye in Sicht

In den kommenden Monaten dürften Europas Aktienmärkte von weiteren positiven Nachrichten beflügelt werden, sagt Tim Stevenson, Experte für europäische Aktien bei Henderson Global Investors. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse hätten noch Luft nach oben.

Der jüngste Kurseinbruch bei Anleihen löste die lange erwartete Konsolidierung an den europäischen Aktienmärkten aus. Gleichzeitig verhalf er dem Euro zu einem Anstieg und brachte trotz anhaltender Unsicherheiten mit Blick auf Griechenland den US-Dollar-Höhenflug zum Erliegen. Parallel dazu stiegen die Ölpreise, und viele Aktien, die sich seit Jahresbeginn überdurchschnittlich gut entwickelt hatten, traten den Rückzug an. Warnungen vor einem möglichen Ende der Aktienrally machten daraufhin die Runde. „Diesen Warnungen schließe ich mich jedoch nicht an“, sagt Tim Stevenson, Leiter des Bereichs europäische Aktien bei Henderson Global Investors. „Nach meiner Einschätzung haben wir es mit einer längst überfälligen Verschnaufpause zu tun, bevor in den nächsten Monaten mit weiteren positiven Nachrichten zur Konjunktur und den Unternehmensgewinnen zu rechnen ist.“

Inzwischen gebe es erste Anzeichen dafür, dass die Inflation wieder steigt. „Das ist eine gute Nachricht für Aktien, lässt sie doch auf eine Rückkehr der Preissetzungsmacht hoffen“, so Stevenson. „Zugleich verheißt sie Gutes für die Volkswirtschaften, denn eine moderate Inflation ist für die Länder in Europa wohl die bequemste Möglichkeit, einen Teil ihrer in den letzten 25 Jahren aufgebauten riesigen Schuldenberge abzutragen.“ Keine gute Nachricht sei der Inflationsanstieg dagegen für Anleger, die sich, getrieben von Deflationsangst, eine der zahlreichen Anleihen mit mittlerweile negativer Rendite ins Depot gelegt haben. „Diese überlaufenen Positionen, auch Crowded Trades genannt, bei denen eine Short- oder Long-Position von einer sehr großen Anzahl von Anlegern gehalten wird, sind solange kein Problem, bis die Flucht aus ihnen einsetzt“, erklärt der Henderson-Experte. „Vielleicht waren die jüngsten Bewegungen unter anderem darauf zurückzuführen.“

Wirtschaftsindikatoren bleiben eine Stütze Für Anleger mit mittel- und langfristigem Horizont könnte es indes wichtiger sein, sich jenseits kurzfristiger Entwicklungen mit der Frage zu beschäftigen, ob die Konjunkturerholung in Europa weitergeht. Jüngste Daten ließen auf eine langsame Besserung der Lage hoffen. Die Bewertungen europäischer Aktien sind zuletzt kräftig gestiegen. So liegt das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der Gewinne der kommenden zwölf Monate im Aktienindex MSCI Europe mit fast 16 über dem langjährigen Durchschnitt – was allerdings kein Grund zur Besorgnis sei, solange die KGVs in den USA weiter darüber liegen, betont Stevenson.

Zudem habe die Erholung der Unternehmensgewinne in Europa gerade erst begonnen. Selbst wenn die Inflation in den kommenden Jahren bis auf zwei Prozent steige und die „20er-Regel“ Bestand haben sollte, hätten die europäischen Aktienmärkte in punkto KGV noch Luft nach oben. Nach dieser Regel ist ein Aktienmarkt angemessen bewertet, wenn sich das durchschnittliche KGV plus Inflationsrate auf einen Wert von 20 summiert. „Auch was die Dividendenrendite angeht, lassen europäische Aktien zehnjährige deutsche Bundesanleihen weit hinter sich“, sagt Stevenson. So belaufe sich die Dividendenrendite im MSCI Europe auf durchschnittlich 3,1 Prozent, gegenüber einer Rendite von 0,6 Prozent bei Bundesanleihen. (fp)

Quelle: FONDSprofessionell