12.06. | 2015

„Ich verstehe nicht, warum die Zinsen noch immer so niedrig sind“

Richard Woolnough, Fondsmanager für Staats- und Unternehmensanleihen bei M&G, präsentierte vor Investoren seine Einschätzungen betreffend die Entwicklung der Konjunktur sowie der Rentenmärkte.

Renteninvestoren können beziehungsweise müssen ihre Hoffnungen auf Rezession und Deflation ad acta legen. Laut Richard Woolnough, Fondsmanager des milliardenschweren M&G Optimal Income Fund sowie des M&G Corporate Bond und des M&G Strategic Corporate Bond Fund, wird sich die Konjunktur in Europa und anderen Teilen der Welt stärker erholen, als viele Marktteilnehmer derzeit erwarten. Daher sind bestehende Positionen in als sicher geltende Staats- und Unternehmensanleihen auf den Prüfstand zu stellen, um Zinsänderungsrisiken möglichst zu vermeiden. Diese Meinung vertrat der M&G-Starfondsmanager vor professionellen Marktteilnehmern auf der diesjährigen M&G-Investmentkonferenz in Wien. Für Woolnough ist der von den meisten Investoren erwartete Zinsschritt der Fed in den kommenden Wochen beziehungsweise Monaten mehr als überfällig und hätte vor dem Hintergrund eines sich selbst tragenden Aufschwungs schon längst gesetzt werden sollen, da die Zinspolitik in der Regel erst mit einer zeitlichen Verzögerung zwischen 18 und 24 Monaten ihre volle Wirkung entfaltet.

Arbeitskosten werden steigen Woolnough untermauerte seine Prognose unter anderem mit einem Vergleich des Employment Cost Index (ECI), der die Arbeitskosten in der US-Industrie misst, sowie den von den Unternehmen zukünftig erwarteten respektive geplanten Lohnehöhungen gemessen von der National Federation of Independent Business (NFIB). Die als Vorlaufindikator (circa neun Monate) fungierenden NFIB-Daten zeigt, dass die Löhne in der US-Industrie im Ein-Jahresvergleich bald um drei Prozent zulegen sollten und damit die Fed zu einer Zinserhöhung zwingen (siehe Grafik eins).

Fallender Ölpreis kurbelt Konjunktur an Der stark gefallene Ölpreis sollte laut Woolnough ebenfalls das BIP-Wachstum anfeuern – zumindest hat dies in der Vergangenheit in der Regel gut funktioniert, wie Grafik zwei zeigt. So führte ein im Jahresvergleich niedrigerer Ölpreis 18 Monate später zu einer Konjunkturerholung. Da der Ölpreis seit Juli 2014 gefallen ist, sollte die Konjunktur bald anspringen – und die Rentenmärkte belasten. Schließlich müssen Renteninvestoren damit eine Rückkehr von Inflation sowie steigende Zinsen befürchten oder zumindest damit rechnen, dass Zentralbanken anfangen, in Richtung einer restriktiveren Geldpolitik umzuschwenken. „Ich verstehe nicht, warum die Zinsen angesichts dieser Indikatoren noch immer so niedrig sind“, erklärte Woolnough.

Welche Anleihen kaufen? Der Brite ist für Euroland-Rentenpapiere pessimistisch und setzt beim M&G Optimal Income Fund lieber auf die etwas höher verzinsten Anleihen aus den USA oder auch aus Großbritannien. „Aufgrund weiterer Spreads und höherer Staatsanleiherenditen bieten das US- und UK-Credit-Segment Investoren mehr Potenzial“, sagte Woolnough mit Blick auf die unterschiedlich hohen Renditeaufschläge bei mit „BBB“ gerateten Corporate Bonds mit Laufzeiten zwischen fünf und zehn Jahren. (siehe Grafik drei).

Überzeugende Performance Das Woolnough ein ausgesprochen gutes Händchen für Anleihen hat, zeigt der Langfristvergleich. Der M&G Optimal Income Fund hat bei einer relativ niedrigen Volatilität vergleichbare Fonds der diversen Morningstar-Kategorien klar geschlagen (Grafik vier). „Das zeigt, dass Richard Woolnough immer Möglichkeiten findet, für Investoren Geld zu verdienen“, erklärte abschließend die Gastgeberin dieser Veranstaltung, Mag. Karola Gröger, Director of Sales Austria bei M&G. (aa)  

Quelle: FONDSprofessionell